Diskurse und Gleichberechtigung: Für eine bessere Welt

Das grammatische Geschlecht (Genus) hat bedingt mit dem natürlichen Geschlecht (Sex) und das natürliche Geschlecht bedingt mit der sexuellen Orientierung (Gender) zu tun – wenn überhaupt.

Mit der Verlagerung der Diskurspraktik über Gleichberechtigung vom Alltagsgeschehen zur Sprachkritik werden wir die ungerechten Strukturen in unserer Gesellschaft kaum angemessen bekämpfen können. Wo man sich am grammatischen Genus stört, wird z.B. in der Entsprechung RichterInnen/Richter*innen keine Grenze gezogen, sondern ein weiteres theoretisches Feld betreten. Es bliebe abzuwarten, bis sich Stimmen erheben, die eine Sanierung des gesamten Wortschatzes, respektive der Grammatik in Anbetracht ziehen: Wie ist die Verteilung der Nomen aller drei Geschlechter (das Auto, der Kampf, die Ungerechtigkeit)? Sollten Satzgeschlechter eingeführt werden? Soll vielleicht auf das unterscheidende grammatische Geschlecht verzichtet werden, wie im Englischen? Brauchen wir Konjugationen?

Die theoretischen Überlegungen haben sicherlich etwas mit unserem Alltag zu tun, aber spätestens dort, wo wir es nur noch mit abstrakten Begriffen zu tun haben, stößt man an unüberwindbare Probleme.

Das gesellschaftliche Problem ist soweit weniger die Sprachkritik, als der strukturale Konventionalismus (nicht mit der philosophischen Denkrichtung zu verwechseln) – die den traditionellen, gesellschaftlich anerkannten Verhaltensregeln zugrundeliegende dynamische Struktur – seit Anbeginn frühzeitlicher Kulturen, der sich in Schriftform, Regelform, Handlungsform und Denkform bis zu unserer Zeit hindurchzieht und alle Diskurse beherrscht.

Michel Foucault schreibt: „Diskurs meint (in einer ersten Annäherung) eine Gruppe von Aussagen (wie Texte, Begriffe, Konzepte). Diskurse legen Sprachen und Denkweisen fest, die zu einer bestimmten Zeit zur Verfügung stehen. Diskurse bestimmen, wie man über etwas redet und wie nicht über etwas geredet wird bzw. werden darf/kann. Diskurse sind Filter des Sagbaren und damit auch der Denk- und Handlungsweisen. Methodisch wird dies mittels De- und Rekonstruktion offengelegt. Die Bedeutung der Diskurse ist eng mit dem Machtbegriff verknüpft: Diskursanalysen setzen immer auch Machtanalysen voraus, weil Macht Diskurse strukturiert und Macht sich über Diskurse legitimiert.“

Wir müssen die „Praktiken“ unseres Alltags im privaten, institutionellen und theoretischen Bereich untersuchen, wenn wir gerechter werden wollen.