Opak

Es regnet draußen, man kann das leise Rieseln der Regentropfen auf dem Dachfenster hören. Es spiegelt die Maisonette als fahle, rechteckige Projektionsfläche wieder, die vom TV-Zappen diffus flimmert. Die Schwärze, die den Fensterrahmen zähflüssig ausfüllt, ist makellos ohne das Rauschen endender Fixsterne. Ich liege seitlich auf der Couch und mein Kopf ist auf meinem Unterarm gestützt, und obwohl eingeschlafen, will ich mich nicht rühren. Die leisen Stimmen aus dem Fernseher verbinden sich mit dem Regen. Mein linkes Auge ist geschlossen, mit dem Verbliebenem schiele ich auf das offene Buch Tractatus logico-philosophicus vor mir. Bis ich eine Seite gelesen habe, vergeht Zeit, dafür ist es zu spät und Sätze verflüchtigen sich und tanzen vor meinem offenen und müden Auge. Ich lese den Satz wieder und wieder. Jetzt hab ich’s. Dann der Nächste und wieder beginnen die Sätze sich sonderbar in Fragmente zu lösen, nicht syntaktische, sondern körperliche und konkurrieren um die Aufmerksamkeit meiner zyklopischen Wahrnehmung – ich schlafe ein.

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