Der Alles-ist-Zyklus 1: Schlafen

Wir lagen am Schattenrand eines ausgewachsenen Achornbaums. Ein Lichtteppich aus Goldmünzen funkelte herab, schmückte unsre Gesichter. Diese majestätischen Lebewesen säumten in andächtiger Entfernung das gesamte Feld; große Bäume, deren Kronen sich in der Brise leise Hallo sagten. Ich fühlte das Leben in mir, als wäre es mit der Atemluft gekommen und so war es auch, Atmen war ein Impuls, ein Gelübte ans Leben, das mit jedem Atemzug erneuert wurde – ja ich will, ich will leben. Warme Lichtstrahlen drangen durch mein Lid, wenn ich die Augen schloß und erfüllte mich mit lebendigen Farben. Der Boden in dem wir eingebettet lagen; der warme Schoß der Natur. Mutterbauch. Ich spürte den melancholischen Bass in meinem Brustkorb, wenn wir uns so nah waren. Und manchmal war er sich unserer Nähe bewusst; denn ein einzelnes Blatt, wenn es sich losgelöst seinen Weg zu uns bahnte und uns berührte, deutete auf uns; von ewiggrüner Baumkrone beim zaghaften Rascheln befreit, wenn die von Grasblumenduft erfüllte Mailuft wieder erwachte und Äste streichelte, dann waren wir längst Kopf an Kopf, Hand an Hand eingeschlafen – mit dem Blatt zwischen uns.

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